01.10.2016: Aktueller Stand

955 Briefe.

Hier noch eine Erklärung: Ich wurde wegen des Datums einiger Briefe gefragt,  das unlogisch sei. Nun mache ich es so:

  • Ist mir das genaue Datum bekannt, wird der Eintrag unter diesem angelegt.
  • Ist mir nur der Monat und das Jahr bekannt, wird der Eintrag auf den letzten Tag des Monats eingetragen.
  • Ist mir nur das Jahr bekannt, wird der Eintrag unter dem 31.12. des Jahres eingetragen.
  • Ist mir das Datum gar nicht bekannt, wird der Brief unter dem Datum 31.12.1599 eingetragen.
  • Wird mir ein Datum genauer bekannt, ändere ich das natürlich.

03.08.2016: Neue Briefe

So, einige neue alte Briefe wurden von mir heute aufgenommen – derzeit sind es über 910 Briefe. Die eBooks mit Briefen von Luther und Melanchthon werde ich in den nächsten Wochen neu erstellen und erweitert zum Download in die Lesekammer einfügen.

Ich hoffe, in den nächsten Tagen und Wochen noch weitere Briefe abschreiben und hier veröffentlichen zu können.

Gruß & Segen,

Andreas

08.05.2016: Eine kurze Info

Hier der aktuelle Stand der Texte in diesem Blog: Zur Zeit biete ich hier über 880 Briefe aus der Reformationszeit – und es fehlen noch ca. 20 Jahrgänge Calvin.

Da Seiten, die kein aktuelles Datum aufweisen, auch von Suchmaschinen nicht gescannt werden, werde ich jetzt die aktuelle Anzahl immer in ein neues Posting packen. In den letzten Tagen habe ich übrigens eine Reihe Brieffragmente aufgenommen – das hängt damit zusammen, dass ich mich zur Zeit für zwei Buchprojekte sehr intensiv mit Büchern über die Reformationszeit beschäftige.

Gruß & Segen,

Andreas

Hallo Welt!

In diesem Blog werden Briefe und Briefauszüge aus der Reformationszeit in den jeweiligen zeitlichen Rahmen gestellt. Links findet Ihr die Verfasser der Briefe, rechts die Empfänger. Ich habe diese Seiten benötigt, um nicht immer wieder dieselben Briefe abzuschreiben. Aus diesem Grund sind auch die Briefe Calvins noch nicht enthalten.

Die Auswahl der Briefe ist willkürlich und basiert eigentlich nur darauf, welche Quellen ich finde. Dabei bin ich, da meine Lateinkenntnisse de facto nicht vorhanden sind, auf deutsche Quellen angewiesen – und dabei auf solche, die auch gemeinfrei sind, bei denen also der Übersetzer oder Herausgeber schon vor mehr als 70 Jahren verstorben ist. So weit es mir möglich ist, habe ich die jeweiligen Quellen der Briefe angegeben – doch erhebt diese Seite keinen Anspruch auf irgendwelche „wissenschaftliche Genauigkeit“, so dass ich mir die Arbeit erspart habe, auch noch die jeweilige Seite oder die Quelle, auf die sich das jeweilige Buch beruft, anzugeben. Wen es interessiert, der mag in der jeweiligen Quelle nachschlagen.

Ich versuche, die Briefe jeweils zu dem Datum einzutragen, an dem sie auch geschrieben wurde. Ist mir das nicht möglich, hinterlege ich Monat und Jahr, ist dies auch nicht möglich, dann den 31.12. des jeweiligen Jahres bzw. des wahrscheinlichen Jahres. Ist mir auch das nicht möglich, werden die Briefe auf den 31.12.1599 gesetzt. Falls mir jemand bei einzelnen dieser Briefe mit der Datierung helfen kann, wäre ich mehr als dankbar.

Diese Eintragung nach Datum bedeutet auch, dass Ihr hier auf der Titelseite nicht die neu eingetragenen Texte findet, sondern immer diesen Eintrag hier und die aus dem Jahr 1599. Damit Ihr dennoch seht, ob es etwas Neues gibt, trage ich unten immer das Datum der letzten Bearbeitung ein. Alternativ könnt Ihr Euch natürlich auch das RSS-Feed rechts zulegen.

Ich hoffe, dass ich hier auf Dauer alle Briefe aus der Glaubensstimme und viele, die ich noch aufnehmen möchte, hinterlegen kann.

Gruß & Segen,

Andreas

Leimen, den 29.3.2014

Stand 04.06.2015: 623 Briefe
Stand 13.06.2015: 651 Briefe
Stand 18.07.2015: 670 Briefe
Stand 26.09.2015:780 Briefe

Knox, John – An seine geliebten Brüder, das Volk von Schottland.

Seinen geliebten Brüdern, dem Volke von Schottland, wünscht Johann Knox Gnade, Barmherzigkeit und Frieden, nebst dem Geiste richtigen Urtheils!

Was ich von der Königin, den Ständen und dem Adel, als den gegenwärtigen Häuptern des Reiches, gefordert habe, das kann ich nicht aufhören, auch von euch zu verlangen, geliebte Brüder, die ihr ja die Gemeinde und der Körper des Staates seid, nämlich daß es euch gefallen möge, ungeachtet des falschen und grausamen Urtheils, welches eure verkehrten Bischöfe gegen mich gefällt haben, mir die Gunst zu erweisen, unparteiisch meine gerechte Vertheidigung anzuhören. Wenn, daß ihr das thut, Gott eure Herzen ehrlich bewegt (wie ich denn nicht zweifle, daß euer Vornehmen zum Preise seines heiligen Namens ausschlagen werde), so bin ich gewiß, daß ihr samt euren Nachkommen davon ganz besonderen Trost, Erbauung und Gewinn haben werdet. Denn wenn ihr hören werdet, um was es sich handelt, so werdet ihr leicht einsehen und erkennen, auf welchem Grunde der Glaube ruht, der jetzt unter euch mit Feuer und Schwert verfolgt wird. Was mich anbetrifft, so bin ich auf das Festeste überzeugt, daß Alles, was in der päpstlichen Kirche getrieben wird, mit Christi segensreicher Ordnung streitet und Nichts ist, als tödtliches Gift, und — wer davon trinket, der trinket sich, wie ich ebenfalls fest überzeugt bin, damit Tod und Verdammnis;, es sei denn, daß er durch aufrichtige Umkehr zu Gott davon gereinigt wird. Aber weil nun durch das lange Stillschweigen des Wortes Gottes in allen Klassen der Menschen Unwissenheit eingerissen ist, und weil Unwissenheit, verbunden mit langer Gewohnheit, in Mancher Herzen den Aberglauben befestigt hat, deßhalb verlange ich im Namen unseres Herrn Jesu Christi, daß ich Gehör finde sowohl von eurer Seite, als des Volkes, meine Brüder, als auch von Seiten des Adels und der Stände des Reiches, damit ich für die öffentliche Predigt hinreichend Raum habe, um meine Meinung über alle religiösen Streitigkeiten in dieser Zeit aussprechen zu können. Und ferner wünsche ich, daß ihr mit dem Adel gemeinsame Sache machet und eure Bischöfe und Geistliche zwinget, ihre Tyrannei fahren zu lassen, und eben so, daß ihr, um bessere Zuversicht und Belehrung für eure Gewissen zu haben, eure besagten Bischöfe und falschen Lehrer zwingt, nach Gottes Wort auf diejenigen Beschuldigungen und Anklagen zu antworten, welche gegen ihre nichtige Religion, ihre falsche Lehre, ihr sündiges Leben und ihre lästerlichen Reden erhoben werden. Ich weiß, daß mir der Vorwurf gemacht werden wird, ich fordre etwas Unvernünftiges von euch, nämlich eure Religion in Zweifel zu ziehen, welche durch so lange Dauer und die Zustimmung so vieler Menschen vor euch bestätigt und befestigt sei. Aber darauf antworte ich kurz, daß weder die lange Dauer der Zeit, noch die Menge der Menschen genügend ist, um unsre Religion als vor Gott gültig zu beglaubigen. Denn wie einige der ältesten Schriftsteller bezeugen, kann weder die lange Folge der Zeit einen Irrthum rechtfertigen, noch kann durch die Menge derer, welche ihm anhangen, sein Wesen verändert werden. Sondern wenn es ein Irrthum im Anfang war, so ist’s auch ein solcher am Ende, und je mehr ihn annehmen, desto verderblicher ist er und um so mehr muß man ihn fliehen. Denn wenn Alter oder die Menge der Menschen eine Religion rechtfertigen könnte, so wäre der Götzendienst der Heiden oder der Frevel der Türken eine gute Religion, denn das Alter billigt die einen und eine große Menge hat den andern angenommen und vertheidigt.

Aber es werden auch wohl fromme Menschen sich wundern, aus welcher Quelle die Meinung fließt, daß Niemand seinen Glauben und seine Religion an Gottes Wort prüfen dürfe, sondern ruhig Alles glauben und annehmen müsse, was Alter und eine große Menge gebilligt hat. Der Geist Gottes lehret es uns anders. Denn die Weisheit Gottes, Jesus Christus selbst, verweist seine Gegner auf Moses und die Propheten, um an ihnen zu prüfen, ob seine Lehre von Gott sei oder nicht. Die Apostel Paulus und Petrus gebietenden Menschen, die Religion, welche sie bekennen, an Gottes klarem Worte zu untersuchen, und preisen Diejenigen, welche Solches thun. St. Johannes gebietet geradezu, daß wir nicht einem jeden Geiste glauben sollen, sondern er will, daß wir die Geister prüfen, ob sie aus Gott sind oder nicht. Nun, weil dem so ist, daß dieß klare Zeugniß des heiligen Geistes uns besielt, unfern Glauben und unsere Religion nach Gottes offenbarem Wort zu prüfen, so ist es ein Wunder, daß die Papisten nicht einwilligen wollen, daß ihre Religion und Lehre demselben zur Prüfung unterworfen werde. Wenn der Ausspruch Christi wahr ist (und er ist durchaus wahr, weil er aus der Wahrheit selbst kommt), daß wer böse ist, das Licht hasset, und nicht an das Licht kommt, damit seine bösen Werke nicht geoffenbaret und bestraft werden, so verdammen unsere Papisten durch ihre eigene Meinung sich selbst und ihre Religion- Denn in sofern sie eine Untersuchung und Prüfung verweigern, erklären sie, daß sie wohl einige ihrer Fehler kennen, welche das Licht an den Tag bringen würde; dieß ist die Ursache ihrer Furcht und weßhalb sie an ihr Vorrecht sich anklammern, daß Niemand über ihre Religion disputiren darf, die Wahrheit und Aufrichtigkeit, ähnlich dem feinen, geläuterten Golde, fürchtet nicht die Feuerprobe, aber die Stoppeln und die Spreu der Menschenerfindungen, wie ihre Religion, können die Flammen des Feuers nicht aushalten. Es ist wahr, daß Mahomet den Befehl gegeben hat, daß Niemand bei Todesstrafe über den Grund seiner Religion disputiren oder denselben untersuchen soll, und dieß Gesetz ward durch Satans List bis aus den heutigen Tag von den Türken beobachtet, zu ihre r eigenen tödtlichen Verblendung und zu schrecklicher Lästerung Jesu Christi und seiner wahren Religion. Und von Mahomet (oder vielmehr vom Satan, dem Vater aller Lügen) hat der Papst und seine Gesindel dieß gelernt, nämlich daß über ihre Religion niemals disputirt werden darf, sondern was die Väter geglaubt haben, das sollen und müssen die Kinder billigen. Und in solcher List ermangelt der Satan der Vorsicht nicht. Denn Nichts hat mehr die Herrschaft des römischen Antichristen befestigt, als diese höchst arge Verordnung, nämlich daß Niemandem erlaubt war, über seine Macht nachzudenken und seine Gesetze in Zweifel zu ziehen. Das ist gewiß, daß, wenn jemals die päpstliche Religion einer Prüfung unterzogen wird, daß sie dann erfunden werden wird als eine solche, die keinen anderen Grund hat, als die Mahomets, nämlich menschliche Erfindung, List und Träumerei mit einem Firniß von Gottes Wort überstreichen. Und deßhalb, Brüder, weil es mit der Religion ist, wie sich der Magen zum Körper verhält, daß, wenn dieser verderbt ist, er alle Glieder vergiftet, so ist es nöthig, daß sie geprüft werde, und wenn sie erfunden wird als mit verderblichen Säften angefüllt, ich meine, mit Menschenerfindungen, dann ist es nothwendig, daß dieselbe gereinigt werde, sonst wird Seele und Leib für immer verderben.

Dieserhalb wollte ich, ihr wäret auf das Festeste überzeugt, daß eine verdorbene Religion das ganze Leben des Menschen befleckt, scheine sie noch so heilig zu sein. Auch möchte ich nicht, daß ihr meintet, die Sorge für die Religion und ihre Verbesserung komme euch weniger zu, weil ihr weder Könige, Regierer, Richter, Adlige seid, noch Gewalt habt. Geliebte Brüder, ihr seid Gottes Geschöpfe, geschaffen und gemacht zu seinem eigenen Bilde und Gleichniß, für deren Errettung das theure Blut seines eingebornen geliebten Sohnes vergossen ist, welchen er sein Evangelium und frohe Botschaft zu predigen befohlen und für die er die himmlische Erbschaft bereitet hat, möchtet ihr deßhalb doch ja die Mittel nicht halsstarrig zurückweisen und verachten, welche er verordnet hat, um das Erbe zu erlangen, nämlich sein gesegnetes Evangelium, welches er euch jetzt anbietet, damit ihr gerettet werden möget. Denn das Evangelium und die frohe Botschaft vom Reiche Gottes, lauter gepredigt, ist die Kraft Gottes zur Seligkeit für Alle, so daran glauben, welche zu glauben und anzunehmen ihr, das Volk, nicht weniger berufen seid, als eure Regenten und Fürsten. Denn obwohl Gott einen Unterschied zwischen dem Könige und den Unterthanen, den Regierenden und dem Volke angeordnet hat, was das Regiment und die Verwaltung der bürgerlichen Angelegenheiten betrifft, so hat er in der Berufung zum ewigen Leben doch Alle gleich gemacht. Denn so wie an Jesus Christus die Juden kein größeres Vorrecht haben, als die Heiden, der Mann als die Frau, der Gelehrte als der Ungelehrte, der Herr als der Knecht, sondern Alle eins in ihm sind, so giebts auch nur einen Weg und ein Mittel, um zur Theilnahme an seinen Wohlthaten und geistlichen Gaben zu gelangen, nämlich ein lebendiger Glaube, der durch die Liebe thätig ist. Und deßwegen sage ich, geliebte Brüder, daß es nicht weniger euch zugehört, versichert zu sein, daß euer Glaube und eure Religion auf das wahre und unzweifelhafte Wort Gottes gegründet sei, als euren Fürsten und Regierern. Denn wie euer Körper dem leiblichen Tode nicht entgehen kann, wenn ihr mit euren Fürsten und Regierern tödtliches Gift esset und trinket (sei es aus Unwissenheit oder Nachlässigkeit), so werdet ihr auch nicht dem ewigen Tode entgehen, wenn ihr mit ihnen eine verderbte Religion bekennet. Ja!, ohne daß ihr im Herzen glaubt und mit dem Munde bekennet, daß Jesus Christus der einzige Erretter der Welt sei, welches ihr nicht könnt, wenn ihr nicht das angebotene Evangelium annehmet, so könnt ihr dem Tode und der Verdammniß nicht entgehen. Denn so wieder Gerechte durch seinen eigenen Glauben lebt, so verdirbt der Ungläubige durch seinen Unglauben, und so wie der wahre Glaube durch die lautere Predigt des Evangeliums Christi in den Herzen von Gottes Auserwählten erweckt, genährt und unterhalten wird, so wird Untreue und Unglaube begünstigt durch Verbergung und Unterdrückung derselben. Und wenn ihr also das ewige Leben sucht, so müßt ihr prüfen, ob ihr im Glauben seid, und wenn ihr eines wahren Glaubens sicher sein wollt, so muß euch nothwendig Jesus Christus wahr gepredigt werden. Und dieß ist die Ursache, thenre Brüder, weßhalb ich so oft wiederhole und standhaft behaupte, daß es euch nicht weniger zugehört, als euren Königen oder Fürsten dafür zu sorgen, daß Jesus Christus wahr unter euch gepredigt werde, weil ohne seine rechte Erkenntniß Keiner von euch Beiden zum Heile gelangen kann. Dieß ist der Punkt, worin, sage ich, alle Menschen gleich sind.

So wie Alle von Adam abstammen und durch dessen Sünde und Ungehorsam der Tod in die Welt gekommen ist, so geziemt es Allen, welche das ewige Leben erhalten sollen, einverleibt zu werden dem Einen, nämlich dem Herrn Jesus, welcher, da er gerecht ist, durch seine Erkenntniß Viele gerecht macht, nämlich Alle, die aufrichtig an ihn glauben.

Ueber diese Gleichheit, daß Gott von dem Unterthanen, sei er noch so arm, in Sachen der Religion Nichts weniger fordert, als von dem Fürsten und reichen Leuten, hat er im Gesetze Mosis eine deutliche Erklärung gegeben. Als nämlich die Stiftshütte gebaut, eingerichtet und in Ordnung gebracht war, bestimmte Gott, wie sie und Alles, was zu ihr gehörte, erhalten werden solle, damit sie nicht in Verfall gerathe. Und diese Unterhaltungskosten (obschon Himmel und Erde seinem Befehle gehorchen) wollte er nicht von den geheimen und verborgenen Schätzen nehmen, welche zerstreut liegen in den Adern der Erde, noch wollte er sie nehmen von den Reichen und Mächtigen seines Volkes, sondern er befahl, daß Jedermann von den Söhnen Israels, ob reich oder arm, wenn er in das Alter von 20 Jahren und darüber käme, jährlich einen halben Säckel als Opfergabe für den Herrn zur Erinnerung an ihre Erlösung und als Sühnopfer oder Lösegeld für ihr e Seelen geben sollte, welches Geld nach Gottes Befehl zum Schmuck und zu den Bedürfnissen der Stiftshütte verwendet werden sollte. Ferner gab er die Vorschrift, daß die Reichen zu diesem Behuf nicht mehr geben sollten, als die Armen, noch daß die Armen in dieser Hinsicht weniger darreichen sollten, als die Reichen. Dieß Gesetz mag nach menschlichem Urtheil sehr unvernünftig erscheinen. Denn einige Reiche hätten ja eher tausend Säckel, ohne es zu fühlen, geben können, als ein Armer einen halben, aber Gott machte doch Alle gleich, und wollte, daß der Eine nicht mehr, als der Andre, der Arme nicht weniger, als der Reiche bezahlen sollte. Dieß Gesetz, sage ich, mag sehr unbillig erscheinen. Aber wenn wir den Grund, den Gott angiebt, in Erwägung ziehen, so müssen wir darin die große Gnade und unschätzbare Weisheit Gottes erkennen, dieser Grund ist in folgenden Worten enthalten: „Dieß Geld, von den Kindern Israels empfangen, sollst du geben zum Dienst der Hütte, auf daß es für die Kinder Israels eine Erinnerung an ihren Herrn sei, daß er euren Seelen gnädig sein will.“

Dieser Fall. sage ich, beweist augenscheinlich, daß, so wie das ganze Volk durch die Allmacht Gottes allein aus der Sklaverei Aegyptens befreit war, so war jedes Glied desselben ohne Ansehn der Person durch seine Gnade geheiligt und in dieser Hinsicht der Reiche dem Armen in Nichts vorgezogen, denn nicht das Verdienst oder die Würdigkeit der Menschen bewog ihn, sie zu erwählen und seine Wohnung unter ihnen zu nehmen. All ihr Heil, ihr Vorzug und die Ehre vor allen andern Nationen entsprang allein aus dem Quell seiner ewigen Güte, welche sie frei liebte, so daß er frei sie aus allen Nationen der Erde erwählt hatte, sein priesterliches König» reich und heiliges Volk zu sein. So sie zu ehren, daß er in ihrer Mitte wohnen wollte, dazu war er, sage ich, weder durch die Weisheit der Weisen, noch durch den Reichthum der Mächtigen, noch durch die Tugend oder die Heiligkeit irgend eines Standes unter ihnen bewogen, sondern aus lauter Gnade liebte er sie und mit seiner Gegenwart ehrte er das ganze Volk, und deßhalb, um ihnen Allen seine allgemeine Liebe vor Augen zu stellen und jede Gelegenheit zu Streit und Gewissenszweifeln abzuschneiden, wollte er zur Unterhaltung der Stiftshütte, durch welche seine Gegenwart und Wohnung unter ihnen versinnbildlicht würde, von den Reichen nicht mehr nehmen, als von den Armen. Denn wenn der Reiche dem Armen vorgezogen worden wäre, so würde Jener vor Stolz aufgebläht worden sein, als wenn er durch seine reichere Gabe vor Gott angenehmer sei, und eben so würde das Ge» wissen des Armen beunruhigt und geängstigt worden sein, in dem Gedanken, daß seine Armuth ein Hinderniß sei, bei Gott in der völligen Gunst zu stehen, wie der Reiche, weil er nicht fähig sei, so viel zur Unterhaltung der Hütte zu geben, wie Jener. Aber er, der aus Gnade (wie gesagt) seine Wohnung unter ihnen nahm und der am besten weiß, was im Menschen ist, bestimmte das Heil für den Einen, wie für den Anderen, in dieser Beziehung sie gleich machend, die doch in andern Dingen so sehr ungleich waren. Denn wenn der Arme sich durch die Taxe beschwert gefühlt hätte und darüber, daß ihm so viel aufgelegt sei, als dem Reichen, so hätte er doch nicht weniger Ursache zur Freude darüber gehabt, daß Gott ihm in Betreff der Unterhaltung der Stiftshütte mit den Reichsten und Mächtigsten in Israel gleich geachtet und gleich gestellt hatte. Wenn nun diese Gleichheit bei der Unterhaltung der vergänglichen Stiftshütte von Gott befohlen worden ist, die doch nur ein Schatten von dem Besseren war, das kommen sollte, ist nicht dieselbe auch von uns gefordert, die wir jetzt das Wesen haben, nämlich Jesus Christus, welcher, angethan mit unsrer Natur, zum Immanuel gemacht worden ist, d. i. Gott mit uns! Obgleich sein natürlicher Leib in den Himmel auf» genommen ist, wo er bleiben muß, bis Alles erfüllt ist, was die Propheten geweissagt haben, so hat er doch versprochen, bei uns zu sein bis an das Ende der Welt.

Und zu diesem Zwecke und zu größerer Versicherung seines Versprechens hat er unter uns hier auf Erden die Zeichen seiner eigenen Gegenwart bei uns aufgerichtet, seine geistliche Stiftshütte, nämlich die lautere Predigt seines Wortes und die rechte Verwaltung seiner Sakramente. Zu deren Aufrechterhaltung ist der Unterthan nicht weniger verbunden, als der Fürst, der Arme nicht weniger, als der Reiche. Denn wie der Preis, der für Vieler Erlösung gegeben, derselbe ist, so fordert Gott von euch vor Allen, welche Theilhaber der Gnade sein sollen, dieselbe Pflicht, nämlich das aufrichtige Bekenntniß, daß wir allein durch Jesum Christum wieder erlangt haben, was in Adam verloren gegangen ist. Von dem Fürsten fordert Gott, daß er sich selbst verleugne und Christo nachfolge, und von den Unterthanen fordert er ganz dasselbe. Von den Königen und Richtern wird verlangt, daß sie „den Sohn küssen,“ d. h. daß sie ihm Ehre, Gehorsam und Unterwerfung zollen, aber von solcher Ehrerbietung nimmt Gott auch den Unterthanen nicht aus, der gerettet werden soll. Und dieß ist die Gleichheit, die zwischen Königen und Unterthanen, zwischen den Reichsten oder Vornehmsten und den Aermsten und Leuten des niedrigsten Standes besteht, nämlich so wie der Eine verpflichtet ist, im Herzen zu glauben und mit dem Munde zu bekennen, daß Jesus Christus der Herr und der einzige Heiland der Welt ist, also auch der Andre. Weder ist Jemand von Gottes Kindern (wenn sie die Jahre der Unterscheidung erreicht haben) so arm, daß er nicht zur Erhaltung und zum Schmuck der geistlichen Stiftshütte beitragen sollte, wenn es die Noth erfordert, noch Jemand so reich, daß Gott von seiner Hand mehr verlangt hätte. Denn obgleich David große Mittel sammelte zum Bau des Tempels, obgleich Salomo mit großem Fleiß und unglaublichen Kosten den» selben aufrichtete und vollendete, obgleich Hiskia und Josua die Religion reinigten, welche vorher verunreinigt worden war, so war ihnen doch Gott mit seiner Gnade um deßwillen nicht näher, als dem Niedrigsten aus der gläubigen Nachkommenschaft des gläubigen Abraham. Denn ihr Fleiß, ihr Eifer und ihre Werke legten vielmehr nur vor den Menschen ein Zeugniß und Bekenntniß davon ab, welche Ehrfurcht sie vor Gott hatten, welche Liebe zu seinem Worte und welche Verehrung für seine Religion, nicht aber daß eins der Werke, die sie thaten, ihnen das Wohlgefallen und die Gnade Gottes verdient hätte, sondern er liebte sie frei in Christo seinem Sohne, ehe der Welt Grund geleget war. Wie nun jene eben Genannten durch ihre Werke ein Zeugniß ihres aufrichtigen Glaubens geben, so thut dasselbe auch der Aermste, der aufrichtig und offen Jesus Christus bekennt, seine fröhliche Botschaft annimmt, Aberglauben aber und die Abgötterei verabscheut und flieht.

Der Aermste und Niedrigste, der in diesen Tagen schrecklicher Verfolgung fest an Christus glaubt und ihn vor diesem argen Geschlecht! muthig bekennt, ist nicht weniger angenehm vor Gott, noch hat er vor Gottes Angesichte weniger gethan in Beförderung der Sache Christi, als der König, welcher durch das Schwert und die Macht, die er von Gott empfangen hat, den Götzendienst ausrottet und so die Ehre Christi befördert. Doch um auf meine frühere Behauptung zurückzukommen, wird, sage ich, von den Unterthanen nicht weniger gefordert, an Christus zu glauben und seine wahre Religion zu bekennen, als von den Fürsten und Königen, und deß» halb behaupte ich, daß es euch vor Gottes Angesicht nicht entschuldigt, wenn ihr vorgebt, ihr seiet keine Häupter und Regenten und deßhalb komme auch die Sorge für die Religion und ihre Verbesserung euch nicht zu.

Ihr, theure Brüder, seid, wie gesagt, die Geschöpfe Gottes, geschaffen zu seinem Bilde und Gleichniß, welchen befohlen ist, auf die Stimme eures himmlischen Vaters zu hören, seinen Sohn Jesus Christus anzunehmen und dagegen alle Lehren und alle Religion zu fliehen, welche er nicht durch seinen eigenen, in seinem segensreichen Worte geoffenbarten Willen gebilligt hat. Nach seinem Willen und Befehle werdet ihr, wenn ihr als ungehorsam erfunden würdet, in eurer Bosheit umkommen, als widerspänstige und verstockte Knechte, welche keine Lust haben, dem heiligen Willen ihres obersten Herrn zu gehorchen, der so liebevoll Gehorsam von ihnen fordert. Und deßhalb, Brüder, kommt es in dieser Beziehung euch zu, wachsam und thätig zu sein. Denn die Frage betrifft keine irdischen Dinge, welche, wenn sie auch wohl mit Gefahren verbunden zu sein scheinen, doch durch Fleiß und den Verlauf der Zeit wohl noch eine günstige Wendung nehmen mögen, sondern es handelt sich um das Verderben eures Leibes und eurer Seele und um den Verlust des ewigen Lebens, welches, einmal verloren, nie wieder erlangt werden kann. Und deßhalb, sage ich, kommt es euch zu, achtsam und thätig in dieser so wichtigen Sache zu sein, damit ihr nicht, indem ihr die Gelegenheit, die Gott euch darbietet, vorüber gehen laßt, hernachmals mit Seufzern und Thränen nach einer ähnlichen verlangt und sie euch doch nicht zu Theil wird. Aber damit es euch nicht verborgen bleibe, welche Gelegenheit ich meine, so will ich es euch mit wenigen Worten sagen.

Nicht ich allein, sondern auch verschiedene andre fromme und gelehrte Männer bieten euch unsre Dienste an, euch treu in den Wegen unsres, des ewigen Gottes und in der Lauterkeit seines Evangeliums zu unterweisen, welches zu dieser Zeit durch das verfluchte Geschlecht des Antichrists (ich meine, durch den Papst und seine gottlosen Priester) beinahe ganz vor den Augen der Leute verborgen gehalten wird. Wir bieten euch an, unser Leben für das Heil eurer Seelen zu wagen und an dem offenbaren Gotteswerk, die Religion, welche unter euch jetzt mit Feuer und Schwert aufrecht erhalten wird, als nichtig, falsch und teuflisch darzuthun. Wir fordern Nichts von euch, als daß ihr geduldig unsre Lehre anhört, welche nicht die unsrige, sondern die Lehre von der Seligkeit ist, die durch den eingebornen Sohn Gottes ist geoffenbaret worden, und daß ihr unsre Gründe untersuchet, mit welchen wir uns zu beweisen erbieten, daß die päpstliche Religion vor Gott ein Gräuel ist. Und endlich fordern wir, daß durch eure Macht diese schrecklichen Bestien (ich meine, Priester und Mönche) gezügelt werden, bis wir unsre Meinung ausgesprochen haben in Betreff aller in dieser Zeit streitigen Religionssachen. Wenn ihr mir dieß in der Furcht Gottes bewilligt, und ebenso es auch Anderen zugesteht, welche mit lauterem Herzen es zu eurem Heile und zur Ehre Gottes fordern, so bin ich gewiß, daß ihr von Gott gesegnet werdet, was auch immer der Satan gegen euch erfinden möge. Aber wenn ihr Gott verachtet und den zurückweist, der euch so liebevoll Heil und Leben anbietet, so werdet ihr weder zeitlicher Plage entgehen, welche bald über euch kommen wird, noch auch der Qual, die dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, es sei denn, daß ihr durch schnelle Reue zu dem Herrn zurückkehrt, den ihr jetzt zurückweisen würdet, wenn ihr die Boten seines Wortes im Stiche laßt.

Noch aber, glaube ich, zweifelt ihr, was ihr thun sollt in einer so wichtigen Sache. Mit wenigen Worten will ich euch sagen, was ich meine. Ihr müßt die Ehre Gottes, die Beförderung des Evangeliums Christi und die Errettung eurer Seelen allen irdischen Dingen vorziehen, und ihr dürft, ob» gleich ihr Unterthanen seid, gesetzlich von euren Vorgesetzten, sei es der König, seien es eure Herren, Regierer und Gewalthaber, fordern, daß sie euch mit treuen Predigern versorgen und solche entfernen, die unter dem Namen von Hirten die Heerde verschlingen und zerstreuen und nicht sie weiden, wie Jesus Christus es befohlen hat. Und wenn in diesem Falle eure Vorgesetzten nachlässig sind oder sogar verlangen, daß ihr Tyrannen in ihrer Tyrannei aufrecht erhalten sollt, so mögt ihr gerechter Weise euch selbst mit treuen Predigern versorgen, sei es in euren Flecken, Städten oder Dörfern, dieselben unterhalten und sie vertheidigen gegen Alle, welche sie verfolgen und sich dadurch bemühen, euch um die trostreiche Nahrung für eure Seelen, um die treue Predigt des Evangeliums Jesu Christi zu betrügen.

Ihr mögt überdies die Zehnten und Einkünfte zurückhalten, welche eure falschen Bischöfe und Priester bisher ungerechter Weise von euch bezogen haben, bis zu der Zeit, wo sie gezwungen werden, ihren Beruf und dessen Pflichten gewissenhaft auszuüben, nämlich euch Jesus Christus lauter zu predigen, seine Sacramente recht zu verwalten, in Uebereinstimmung mit seiner eigenen Einsetzung, und so für die Seligkeit eurer Seelen zu wachen, wie es von Jesus Christus selbst und von seinen Aposteln Paulus und Petrus gefordert wird. Wenn Gott eure Herzen antreibt, in seiner wahren Furcht dieß Alles zu beginnen und es von euren Vorgesetzten zu fordern und zu begehren, was ihr mit vollem Rechte thun könnt, dann zweifle ich nicht, daß er in seiner großen Güte und freien Gnade die Augen eures Geistes er» leuchten und daß seine unzweifelhafte Wahrheit eures Fußes Leuchte sein wird, euch auf alle die Wege zu leiten, welche seine göttliche Weisheit billigt. Er wird eure Feinde zittern machen vor eurem Angesichte, er wird aufrichten sein gesegnetes Evangelium unter euch zur Seligkeit und zu ewigem Troste für euch selbst und eure Nachkommen. Aber wenn (was Gott verhüten möge) die Liebe der Freunde, die Furcht vor euren Fürsten, die Weisheit der Welt euch von Gott und seinem Sohne Jesus Christus abwenden sollten, so seid fest überzeugt, daß ihr den Becher seines Zornes trinken müßt, und zwar so Viele, fürwahr, als diesen liebevollen Ruf unseres himmlischen Vaters verachten und verschmähen. Es wird euch nicht entschuldigen, theure Brüder, vor dem Angesichte Gottes, noch auch wird es euch Etwas nützen in den Tagen seiner Heimsuchung, zu sagen: „Wir waren nur einfache Unterthanen. wir konnten die Fehler und Laster unsrer Oberen, Bischöfe und Priester nicht bessern; wir verlangten nach Besserung und wünschten dieselbe, aber die Brüder der Lords waren Bischöfe, ihre Söhne waren Aebte und die Freunde der Großen waren im Besitz der Kirche, und so waren wir gezwungen, Allem zu gehorchen, was sie forderten“. Diese leeren Entschuldigungen sage ich, werden euch vor dem Angesichte Gottes Nichts nützen, welcher nicht weniger von den Unterthanen, als von den Regenten fordert, daß sie von dem Bösen ablassen und Gutes thun, daß sie entsagen dem Götzendienst, dem Aberglauben, den Lästerungen, dem Morde und anderen solchen schrecklichen Lastern, welche sein Gesetz verbietet und die doch nichts desto weniger öffentlich getrieben und hinterlistig vertheidigt werden in diesem beklagenswerthen Lande. Und wenn ihr denkt, ihr wäret unschuldig, weil ihr nicht die Hauptanstifter solcher Bosheiten seid, so seid ihr höchlichst betrogen. Denn Gott bestraft nicht blos die Hauptthäter, sondern auch diejenigen, welche das Böse billigen und Alle billigen dasselbe, welche, wenn sie die Gottlosigkeit vor Augen sehen, nicht das Zeugniß ablegen, daß ihnen dieselbe mißfällt. Um diese Sache recht in das Licht zu stellen: wenn eure Fürsten und Regenten mit euren Bischöfen mit schuldig sind an all der begangenen Abgötterei und dem unschuldigen Blute, welches um des Zeugnisses der Wahrheit Christi willen vergossen ist, weil sie dieselben in ihrer Tyrannei unterstützt haben, so seid ihr (ein Jeder von euch, der kein offenes Bekenntniß vom Gegentheil ablegt) derselben Verbrechen mit euren Fürsten und Regenten schuldig, weil ihr dieselben unterstützet und in ihrer blinden Wuth erhaltet und nicht erklärt, daß ihr ihre Tyrannei verachtet. Diese Lehre, das weiß ich wohl, befremdet die blinde Welt, aber die Wahrheit derselben ist geoffenbart worden in allen ernsten Strafgerichten vom Anfang der Welt an. Wenn die erste Welt durch Wasser unterging, wenn Sodom und Gomorrha durch Feuer verzehrt, und endlich wenn Jerusalem auf schreckliche Weise zerstört wurde, meint da wohl Jemand, daß Alle gleich böse waren in den Augen der Welt? Es ist augenscheinlich, daß sie es nicht waren, wenn sie nach ihren äußerlichen Handlungen gerichtet wurden. Denn einige waren jung und konnten noch keine Grausamkeiten verüben, noch sich beflecken durch unnatürliche und viehische Lüste, Andre waren fromm und edel von Natur und dürsteten nicht nach dem Blute Christi, noch nach dem seiner Apostel. Aber entgingen wohl Einige der Strafe und Rache, welche über die Menge kam? Laßt die Schrift zeugen und betrachtet die Erzählungen, welche klar bezeugen, daß durch das Wasser alles Fleisch auf Erden umkam (Noah und seine Familie ausgenommen), daß Niemand in Sodom und den andern umliegenden Städten entrann, außer Lot und seinen beiden Töchtern. Und unzweifelhaft ist es, daß in der berüchtigten Stadt Jerusalem bei der letzten schrecklichen Zerstörung Niemand der Rache Gottes entkam, wenn nicht diejenigen, die schon vorher zerstreut worden waren. Und was ist die Ursache solcher Strenge, da doch nicht alle gleiche Uebelthäter waren? Laßt doch das Fleisch aufhören, mit Gott zu rechten! und möchten doch die Menschen an diesen Beispielen lernen, bei Zeiten die Gesellschaft und Gemeinschaft der stolzen Verächter Gottes zu fliehen, auf daß sie nicht am Ende mit in ihre Strafe gerathen. Der Grund ist klar, wenn wir uns ohne Murren dem Gerichte Gottes unterwerfen wollen, welches in sich selbst heilig und gerecht ist. Denn in der ersten Welt wurde Niemand gefunden, der der Tyrannei und Grausamkeit, welche allgemein geübt wurde, widerstanden, noch dieselbe ernstlich getadelt hätte. In Sodom gab es Keinen, der der wüthenden und viehischen Menge entgegen getreten wäre, welche das Haus Loth’s umringte und belagerte. Doch wollte Loth nicht glauben, daß die Stadt zerstört werden würde. Und endlich in Jerusalem war Niemand, der sich bemüht hätte, die Tyrannei der Priester zu unterdrücken, welche sich gegen Christum und sein Evangelium verschworen hatten, sondern Alle verzagten (ich nehme immer Solche aus, welche durch ihr Blut oder ihre Flucht Zeugniß gaben, daß solche Gottlosigkeit ihnen mißfiel), Alle beobachteten Stillschweigen, durch welches sie die Bosheit billigten, und reichten ihre Hände den Tyrannen, und so vereinigte sich dann Alles zu einem Kampfe gegen den Allmächtigen und seinen Sohn Jesus Christus. Denn wer nicht mit Christus sammelt in den Tagen der Ernte, der wird dafür angesehen, daß er zerstreue, und deßhalb wurden Alle einer gleichen Strafe theilhaftig.

Diese Dinge, von denen ich euch geredet habe, sollten euch zu ernstem Nachdenken über eure Pflichten in dieser letzten und gefährlichen Zeit bewegen. Die Bosheit eurer Bischöfe ist nur zu offenbar, ihr unreines Leben verpestet die Luft, das unschuldige Blut, welches sie vergießen, schreiet um Rache zu den Ohren Gottes, die Abgötterei und die Frevel, welche sie öffentlich treiben und ungestraft begehen, verderben und beflecken das ganze Land, und Niemand unter euch hat den Muth, solche Gräuel hinweg zu thun. Wird euch da Gott für unschuldig halten? Betrügt euch nicht, lieben Brüder! Gott hat nicht blos die stolzen Tyrannen, die argen Verbrecher und trotzigen Mörder, sondern auch die, welche mit ihnen an einem Strange der Bosheit zogen, sei es indem sie ihren Schandthaten schmeichelten, oder ihren Befehlen gehorchten oder Nachsicht mit ihren Gräueln hatten, alle Solche, sage ich, hat Gott sammt den Hauptverbrechern bestraft. Seid versichert, Brüder, daß, wie Gott unveränderlich in seinem Wesen ist, daß er so auch euch nicht verzeihen wird, was er so strenge an Anderen gestraft hat, und am wenigsten euch, weil er euch so deutlich vor der Gefahr gewarnt hat und hat euch seine Gnade angeboten, bevor er seinen Zorn und Unwillen auf die Ungehorsamen ausgießen will.

Gott, der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher ist der Vater der Herrlichkeit und der Gott alles Trostes, gebe euch den Geist der Weisheit und offenbare euch die Erkenntniß seiner selbst durch seinen theuren Sohn, durch welchen ihr zu der Hoffnung und Zuversicht gelangen möget, daß ihr nach den Trübsalen dieses vergänglichen Lebens Theil haben werdet an dem Reichthume jenes herrlichen Erbes, welches denen bereitet ist, die sich selbst verleugnen und unter dem Panier Jesu Christi streiten in den Tagen dieses seines Kampfes. In ernster Betrachtung alles dessen möget ihr lernen, die unsichtbaren und ewigen Freuden den eitlen Vergnügungen des gegenwärtigen Lebens vorzuziehen. Gott gebe euch ferner seinen heiligen Geist, recht zu bedenken, was ich in seinem Namen von dem Adel und von euch, dem Volke, gefordert habe, und er bewege euch Alle mit einander, so zu antworten, daß meine Bitte nicht ein Zeugniß eurer gerechten Verdammniß werde, wenn der Herr Jesus Christus erscheinen wird, um das Blut seiner Heiligen und die Verachtung seines heiligen Wortes zu rächen. Amen!

Schlaft nicht in Sünden, denn die Rache ist nahe allen Ungehorsamen! Fliehet aus Babylon, wenn ihr nicht an seinem Verderben Theil haben wollt!

Seid Zeugen meiner Berufung!\\
Gnade sei mit euch!\\
Euer Bruder in der Gottseligkeit\\
Genf, den 14. July 1558.\\
Joh. Knox

Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformirten Kirche\\
X. (2. Suppplement-)Theil: John Knox\\
Elberfeld, Verlag von R. L. Friderichs.\\
1862

Brödlis, Johannes – An Friedli Schuhmacher und die Christen zu Zollickon

Dem frommen Friedli Schuhmacher zu Zollickon und andern seinen lieben Mit-Brüdern in Christo zu Zollickon.

Johannes ein Diener Jesu Christi, beruft das Evangelium Jesu Christi zu verkündigen, durch den Willen Gottes des Vaters, den frommen Christen und Beruften von Gott der Christlichen Versammlung zu Zollikon, Gnad und Fried von Gott dem Vater und unserm Herren Jesu Christo. Ihr wisset, liebe Brüder! wie ich euch das Wort Gottes, dieweil ich bey euch war, treulich klärlich, einfältiglich verkündiget, und nicht darmit gehandlet habe, wie die untreue Weinschencke, die da Wasser in den Wein schütten; Ihr wisset, wie ich Muth gehabt habe, bey euch zu wohnen, mit meiner Hand zu arbeiten, und niemand zu beschwehren; Ihr wisset auch, wie ich um der Warheit willen von euch vertriben worden nach dem Willen des Herren; Ihr wisset endlich, wie ich euch so treulich vermahnet habe, daß ihr nicht von der Gnade abfallet, in welcher ihr beruft waret. Gott wolle, daß ihr noch darinnen seyet! Ich bezeuge noch heut zu Tag Himmel und Erdreich, daß ich euch die Warheit gelehret habe: bestehet ihr in derselbigen Warheit, so seyt ihr Gottes, und er ist euer und ihr seyt seelig; fallet ihr aber ab, so seyt ihr Kinder der Verdamniß, und Gott ist weit von euch, und ihr seyt elend, und Waisen, los, und werdet eine jede Mucke fliehen. O wie einbrünstig ist mein Hertz gegen euch gewesen, da ich diese Dinge anfieng an euch zu schreiben? O wie gern wollte ich laut geschryen haben? Ich bitte Gott ernstlich, daß ihr in dem Glauben bestehet. O wie gern wollte ich bey euch seyn, damit ich euch ermahnen möchte, daß ihr bestündet? Ich habe gehört, daß etliche Brüder sollen gefangen seyn. Gott wolle, daß sie frölich seyen in Gott, wie ich auch bin! O wie einbrünstig und lustig bin ich gewesen, da mich Gott hieß von euch gehen? Ja, ja, ich bin frölich darvon gegangen; Ja, ja, ich habe nicht geweinet, da ihr alle von mir waret, sondern gesungen. O wie frölich wird ich seyn, wenn mich Gott wiederum wird heissen zu euch gehen? Da ich an die Spanweid kommen bin, ist Christus zu uns kommen, ja Christus in den Seinen. Denn ein frommer Bruder von Bern, Nahmens Christen, ist bis gen Kloten mit uns, und darnach am andern Tag wieder von uns gegangen. Ja, ja ich bin offt auf dem Wege geschlipfft, aber nicht gefallen. Ja, ja da wir über Eglisau kommen sind, hatte ich und der Wilhelm uns das Leben verschätzet. Ich halte darfür Gott habe es abgewandt. Wir kamen von der rechten Strasse, und giengen denselbigen halben Tag irre, ja durch Stöcke und Studen. Gott aber hat es also wollen. Zunacht kamen wir zu frommen Leuten, und endlich nach Hallau. Ich habe mein Weib und Kinder da gelassen, wir hingegen sind nach Schaffhausen gegangen, ja wir haben unseren lieben Bruder Conrad Grebel daselbst gefunden. Wir sind bey den Doctoren beyden gewesen, und haben mit ihnen zu Nacht geessen. Ja Doctor Sebastian ist einhellig mit uns gewesen des Tauffes halber. Gott wolle, daß es besser um ihn werde in allen Dingen! Wir sind wiederum von Schaffhausen gen Hallau gekommen; Am Tage darnach gieng der Wilhelm, und der Merger gen Waldshut; ich bin zu Hallau geblieiben. Der Wilhelm ist noch nicht zu mir gekommen, ich weis auch nicht wenn er gekommen ist; Der Merger weiß es vielleicht. Ich habe am nächsten Sonntage nach der Liechtmesse zu Hallau öffentlich geprediget, und eine grosse Ernd daselbst gefunden, aber wenig Schnitter. Das Volck hat ernstlich begehrt, mich zu hören, und begehrt es noch heutigs Tages. Die Pfaffen sind, wie sie mögen. Der Antichrist regiert noch hefftig unter dem Volcke. Bittet Gott für sie, daß er sie erleuchten wolle. Ich habe eine gute Herberge bekommen, und das Volck thäte gern das beste, aber der Hagel hat sie gar sehr beschädiget, und leiden viele einen grossen Mangel. Es ist meine ernstliche Bitte an euch, Liebe Brüder! Daß ihr mir mein Fleisch und den Ancken((Butter)), samt dem Wein schicken wollet. Mag es seyn, oder mag es nicht seyn, schicket mir doch das Fleisch und den Ancken. Ich förchte, ich könne nicht lange hierselbst bleiben, denn es sind alle Dinge theuer. Ich wollte am liebsten bey euch seyn, wenn es seyn möchte. Thut als getreue Brüder Christi; ich kan nicht mehrers sagen. Ich kan euch nicht mehr heissen von meinen Sachen zu schiken, weil ich nicht weis, wie lange ich hier bin. Ich wollte gern, daß ihr mir den Wein und das kleine Kinder-Pfändlein schicktet. Mein Weib bittet euch, daß ihr derselbigen ein Pfund Baumwullen und zwey Kämblein schicket, was es kostet wollen wir euch ausrichten. Schicket auch dem Weibe die schwartze Unter-Jüppe und mir des Carolstads Büchlein. Das übrige behaltet mir in Friedli Schumachers Hause. Schicket der Frauen zwey Ermel und mir meine Schuhe rc.

Liebe Brüder! beharret in dem Glauben, der Liebe und Hoffnung! Lasset euch niemand abschrecken. Welcher euch ein ander Evangelium prediget, denn ich euch geprediget habe, der seye ein Fluch. Wenn es seyn mag, so schicket einen Bruder zu mir, der mir sage, wie es um euch stehe, dann es wundert mich vast. Grüsset einandern mit dem Kusse des Friedens! Hütet euch vor einem jeden Bruder, der da unordentlich handlet, und nicht nach dem, so er und ihr gelernt habet! Hütet euch vor den falschen Propheten, die um den Sold predigen! Fleuhet sie! Ermahnet ihr einander und bleibet in der Lehre, die ihr empfangen habet. Der Friede Gottes seye mit euch allen Amen.

Johannes Brödlein, Euer Diener in Christo, jetzt wohnend zu Hallau.

Beyträge Zur Erläuterung der Kirchen-Reformations-Geschichten Des Schweitzerlandes
Johann Conrad Füßlin.
Erster Theil.
Zürich, bey Conrad Orell und Comp.
1741
und Leipzig bey Joh. Fried. Gleditsch.

Luther, Martin – An Johann Heß (Fragment)

Ich lobe den Eifer deines Fürsten für das Evangelium, aber sehe, daß du seinen Sinn mehr für den Glauben und die Liebe begeisterst, als für den äusserlichen Gebrauch des Sacraments. auch die Unsrigen laufen zum Empfang der beiden Gestalten, und vergessen unterdessen den Glauben und die Liebe. Gewiß machen die beiden Gestalten nicht den Christen aus, sondern der Glaube und die Liebe: jene aber halten sich dann für Christen, wenn sie diesem Gebrauche folgen.

Elisabeth von Braunschweig – Geleitbrief für den vertriebenen Prediger Valentin Heiland

Es geht an männiglich, wes Standes er sei, unsere freundliche Bitte, günstiges Gesinnen und gnädiges Begehren, Vorzeiger dieses um des lieben Wortes, auch unseres wahrhaften Zeugnisses willen aufzunehmen und ihm ein genügendes Unterkommen zu gewähren. Solches wird Gott der Allmächtige, dem es zu Ehren geschieht, reichlich belohnen.

Elisabeth, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg
Dr. Wilhelm Havemann
Göttingen
Druck und Verlag der Dieterichschen Buchhandlung
1839

Melanchthon, Philipp/Luther, Martin – Von der Rechtfertigung des Menschen vor Gott, An Johann Brentius.

Eure lange Schrift habe ich empfangen, bin lustig und fröhlich darüber worden: Ich bitte euch, ihr wollet oft und viel an mich schreiben.

Ich vernehme und merke wohl, was euch bewegt und anficht des Glaubens halben, weil euch noch im Sinne liegt St. Augustini Meinung, der so fern kommen ist, daß er vermeinet, daß die Gerechtigkeit der Vernunft vor Gott nicht gerechnet werde zur Gerechtigkeit. Diese Meinung ist recht.

Weiter ist seine Meinung, daß wir für gerecht gerechnet werden, des Gesetzes Erfüllung halben, die der heil. Geist in uns wirket. Also gedenkt ihr auch, daß der Mensch durch den Glauben in so fern gerecht werde, weil wir durch den Glauben den heil. Geist empfahen; daß wir also gerecht seyen durch Erfüllung des Gesetzes, aus Hülfe des heil. Geistes.

Dieser Verstand setzt und gründet die Erfüllung auf unsere Reinigkeit oder Vollkommenheit. Die Erneuerung, so der heil. Geist in uns wirket, soll zwar dem Glauben folgen, wir werden aber dadurch vor Gott nicht gerecht. Darum sehet gar nicht auf die Erneuerung noch auf’s Gesetz, sondern habt nur Achtung auf die Verheißung, und halt’s für gewiß, daß wir um Christi willen gerecht, das ist, angenehm vor Gott sind, und Frieden des Gewissens finden, und nicht um dieser Erneuerung willen. Denn diese Erneuerung ist nirgend gnugsam, darum sind wir allein durch den Glauben gerecht, nicht darum, daß er also glaubet, wie ihr schreibet, sondern daß er Christum ergreift, um welches willen wir angenehm sind, es stehe um unsere Erneuerung wie es kann. Wiewohl sie nothwendig folgen muß, sie vermag aber das Gewissen nicht zufrieden zu stellen.

Darum macht nicht die Liebe, welche des Gesetzes Erfüllung ist, sondern allein der Glaube gerecht, nicht daß er eine Vollkommenheit in uns ist, sondern allein daß er Christum fasset. Daß wir also nicht gerecht sind, von wegen der Liebe, noch Erfüllung halben des Gesetzes, auch nicht um unserer Erneuerung willen, ob sie wohl Gaben des heiligen Geistes sind; sondern um Christi willen, welchen wir allein durch den Glauben fassen und ergreifen.

Augustinus erlangt St. Pauli Meinung und Verstand nicht gnugsam, wiewohl er näher dazu kömmt, denn die Schul-Theologen. Und ich ziehe Augustin darum an, daß er bei allen ein groß Ansehen hat, wiewohl er nicht genugsam erkläret des Glaubens Gerechtigkeit.

Glaubet mir, lieber Brentz, es ist ein großer, darzu ein finsterer Zank und Hader über der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen ihr alsdenn recht verstehen werden, wenn ihr allerdings die Augen wendet vom Gesetz und von Augustins Meinung, von Erfüllung des Gesetzes, und richtet euer Gemüth allein auf die bloße Verheißung, und gewiß haltet, daß wir um Christi willen gerecht, das ist, Gott angenehm sind und Frieden finden.

Dieses ist der rechte Verstand, welcher die Ehre Christi verkläret und hoch preiset, und die Gewissen über die Maaßen aufrichtet und tröstet. Ich versuchte zwar dasselbe in der Apologia klar darzuthun; aber es wollte sich nicht schicken um der Widersacher willen, die alles übel deuten und verkehren, also deutlich zu reden, wie ich jetzt mit euch rede, wiewohl ich eben diese Meinung angezeiget habe.

Lieber, wenn würde doch das Gewissen Fried und Hoffnung haben, wenn es halten sollte, daß wir alsdann erst vor Gott für gerecht gehalten würden, wenn die Erneuerung in uns vollkommen wäre? Was wäre das anders, denn durch das Gesetz, nicht durch die Verheißung, und aus Gnaden gerecht werden?

Droben habe ich gesagt: So die Rechtfertigung (wie man vor Gott soll gerecht werden), der Liebe zugeeignet wird, so werde sie unserm Werk zugeeignet. Hie verstehe ich das Werk, so der heilige Geist in uns thut oder wirket. Item, daß der Glaube allein gerecht macht, nicht derohalben, daß er ein neu Werk des heiligen Geistes in uns ist; sondern daß er Gottes Barmherzigkeit, in Christo uns angeboten und geleistet, ergreift und mit Freuden und Dank annimmt rc. Um welches willen wir angenehme sind, nicht um der Gaben willen des heiligen Geistes in uns.

Diese Sache werdet ihr leichtlich verstehen, wenn ihr des Augustini Verstand und Meinung fahren lasset; auch wird euch, als ich hoffe, unsere Apologia darzu dienen, und dazu helfen, wiewohl ich von so wichtiger Sache noch schlecht und furchtsam rede, welches auch nicht kann verstanden werden ohne Kampf des Gewissens.

Das Volk soll allerdings hören die Predigt des Gesetzes und der Buße, indeß soll gleichwohl dieser Verstand des Evangelii nicht verschwiegen bleiben. Ich bitte euch, ihr wollet mir wieder schreiben, was ihr beide von dieser meiner Schrift und Apologia haltet, und anzeigen, ob euch auf dießmal genugsam geantwortet sey auf eure Frage. Gehabt euch wohl!

Zusatz Doctor Martin Luthers, auf die vorhergehende Schrift Philipp Melanchthons.

Und ich mein lieber Brentz, daß ich die Sache besser verstehe und fasse, pflege also zu gedenken, als wäre in meinem Herzen keine Qualität oder Tugend, die Glaube und Liebe heiße (wie die Sophisten darvon reden und träumen); sondern ich setze es gar auf Christum, und sage: meine formalis Justitia, das ist, gewisse, beständige, vollkommene Gerechtigkeit, daran kein Mangel noch Fehl ist, sondern ist wie sie vor Gott seyn soll, die ist Christus mein Herr. Auf daß ich mich also frei mache, und herauswirke von dem Anblick des Gesetzes, und der Werke, ja auch von dieses Christi, der mir vorkömmt, und verstanden wird, als sey er entweder ein Lehrer oder Geber. Nicht also, sondern ich will, daß er selbst meine Gabe und Lehre sey, daß ich alles in ihm habe, wie er spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben: Sagt nicht, ich weise oder gebe dir den Weg, die Wahrheit und das Leben, als würket er solches in mir, und wäre doch anderswo außer mir; nein, in mir soll er seyn, bleiben, leben, reden, 2. Kor. 5, auf daß wir würden in ihm, in Christo 1) die Gerechtigkeit die nur Gott giebt2).

Martinus Luther, Dr.

Quelle:
Der Menschenfreund Eine christliche Zeitschrift, redigirt von Pastor Sander in Wichlinghausen. Achter Jahrgang Gedruckt in der Rettungs-Anstalt zu Düsselthal 1832

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